Auf den ersten Blick wirkt die Idee, in Pokémon Smaragd jede einzelne Monster-Variation zu sammeln, faszinierend. Der YouTube-Channel Astroid Videos hat dabei eine schier unmögliche Zahl von 81.461.313.208.320.429.708.284 Jahren Spielzeit ermittelt – etwa 81 Trilliarden Jahre. Doch hinter dieser gigantischen Zeitspanne verbergen sich konkrete mathematische und technische Gründe, die das Vorhaben unverrückbar in die Sphäre des Unmöglichen verorten.
Die astronomische Zeitspanne: 81 Trilliarden Jahre Spielzeit
Die Berechnung von Astroid Videos (2024) berücksichtigt sämtliche Pokémon-Varianten, einschließlich aller Shiny-Zustände und perfekter DV-Kombinationen. Folgende Faktoren multiplizieren sich zu der genannten Zeit:
- 4.294.967.296 mögliche Fellmuster von Pandir (2 32 )
- Verdopplung durch den Shiny-Status (8.589.934.592 Varianten)
- 1.073.741.824 DV-Kombinationen pro Spezies (32 6 )
- 25 mögliche Wesen (Natures)
- Shiny-Wahrscheinlichkeit von 1 : 8.192 (0,012 %)
Die Kombination all dieser Werte führt zu einer Gesamtzahl, die sich in Trilliarden Jahren Spielzeit ausdrücken lässt – ein Wert, der jegliche praktische Relevanz übersteigt.
Pandir – Der Grund für die Milliarden-Muster
Dieses Pokémon bereitet die größten Probleme, weil sein Fellmuster nicht nur zufällig, sondern durch einen klar definierten Codewert bestimmt wird.
Hinter der absurden Zahl von exakt 4.294.967.296 Pandir-Mustern steckt handfeste Informatik: Der Game Boy Advance nutzt zur Berechnung der Fleckenkoordinaten einen 32-Bit-Wert, den sogenannten Personality Value (Bulbapedia, 2024). Multipliziert man diese Muster mit der damaligen Standard-Shiny-Wahrscheinlichkeit von 1 zu 8.192 sowie den 1.073.741.824 theoretischen DV-Werte-Kombinationen (sechs Statuswerte mit je 0 bis 31 Punkten), schießen die Berechnungen von Astroid Videos (2024) in die erwähnten Trilliarden Jahre.
Selbst wenn ein unsterblicher Trainer diese Ewigkeit aufbringen würde, scheitert der Plan an einem ganz profanen Hardware-Limit: Das PC-System von Pokémon Smaragd bietet in 14 Boxen gerade einmal Platz für 420 Taschenmonster (Bulbapedia, 2024). Um allein alle normalen und schillernden Pandir-Formen aufzubewahren, wären über zehn Millionen physische GBA-Module notwendig – womit die Challenge nicht nur die Lebensdauer des Universums, sondern auch die weltweite Modulproduktion sprengen würde.
Die 4.294.967.296 möglichen Muster ergeben sich aus dem 32-Bit-Personality-Value (2 32 ). Durch die Unterscheidung zwischen Normal- und Shiny-Farbe verdoppelt sich die Anzahl auf 8.589.934.592 eindeutige Varianten.
DV-Kombinationen und Shiny-Chance in Generation 3
Jedes Pokémon besitzt sechs Statuswerte, die als Determinant Values (DVs) von 0 bis 31 festgelegt werden. Das führt zu 32 6 = 1.073.741.824 möglichen DV-Kombinationen pro Spezies. Zusätzlich gibt es 25 mögliche Wesen, die die Werte weiter differenzieren. Die Shiny-Chance liegt in der dritten Generation bei 1 : 8.192, also 0,012 % (Bulbapedia, 2024). Kombiniert man diese Zahlen, wächst die Gesamtzahl der zu sammelnden Varianten exponentiell, was die enormen Zeitberechnungen von Astroid Videos erklärt.
Hardware- und Speicherlimit des Game Boy Advance
Unabhängig von den mathematischen Berechnungen gibt es ein festes hardware-seitiges Limit:
- Maximum an PC-Lagerplätzen: 14 Boxen à 30 Pokémon = 420 Plätze (Bulbapedia, 2024)
- Zusätzlich gleichzeitig im Team möglich: 6 Pokémon
- Gesamt möglicher Besitz pro Spielstand: 426 Exemplare
Der Flash-Speicher des GBA-Moduls reicht nicht aus, um mehr als diese Anzahl gleichzeitig zu speichern. Selbst bei hypothetischer Unendlichkeit der Spielzeit könnte ein Spieler nie alle Varianten simultan besitzen.
Praktische Unmöglichkeit und weitere Hindernisse
Zusätzliche Faktoren erschweren das Vorhaben weiter:
- Visuelle Redundanz: Viele der 4,294,967,296 Pandir-Codewerte erzeugen optisch identische Muster, weil Fleckenpixel überlappen oder außerhalb des sichtbaren Modells liegen.
- Fehlerhafter RNG-Seed: In Pokémon Smaragd startet der Zufallsgenerator bei jedem Neustart immer bei 0. Ohne präzises Frame-Timing lassen sich manche DV- und Shiny-Kombinationen praktisch nicht mehr erreichen.
Diese beiden Punkte reduzieren zwar die tatsächlich unterscheidbaren Varianten leicht, sie verdeutlichen jedoch, dass das reine Zählen der Codewerte nicht mit der spielbaren Realität übereinstimmt.
Fazit
Die Vorstellung, in Pokémon Smaragd jede mögliche Monster-Variation zu sammeln, ist durch drei zentrale Gründe ausnahmslos unmöglich: die astronomische Kombinatorik von Pandir-Mustern, DV-Kombinationen und Shiny-Chancen; die feste Speichergrenze von 420 Pokémon im PC-System; und technische Eigenheiten wie die RNG-Initialisierung und visuelle Redundanz. Selbst ein unsterblicher Trainer würde nicht annähernd die benötigte Zeit aufbringen können – und selbst dann fehlte der physische Speicherplatz. Damit bleibt das 100-Prozent-Vollenden des Spiels ein faszinierendes Gedankenspiel, das jedoch jenseits von Realität und Hardware immer ein unerreichbares Ziel bleibt.