Im Rahmen der ZDF-Show Bares für Rares gelang es einer Privatperson, ein originalverpacktes Nintendo Entertainment System (NES) Super Set für 800 Euro zu veräußern – ein Betrag, der die vorherige Expertenschätzung von 400 bis 600 Euro deutlich übertraf. Der Fall illustriert eindrucksvoll die Preisunterschiede zwischen gebrauchten Konsolen und unbeschädigten „Deadstock„-Exemplaren in Originalverpackung (OVP) und wirft ein Licht auf die wachsende Bedeutung von Retro-Gaming-Geräten im Antiquitäten- und Auktionshandel.
Hintergrund zum NES Super Set & „Four Score“-Adapter
Das NES Super Set wurde 1991 in Europa zum damaligen Neupreis von 299 DM (etwa 153 Euro) veröffentlicht. Es war Nintendos Versuch, Mehrspieler-Gaming im Wohnzimmer zu etablieren. Neben der NES-Konsole enthielt das Bundle vier Standard-Controller und den „NES Four Score“-Adapter (Modell NES-034), der bis zu vier Spieler gleichzeitig zuließ – ein Feature, das insbesondere das beiliegende Spiel Nintendo World Cup nutzbar machte. Das Set beinhaltete zudem ein 3-in-1-Modul mit den Spielen Super Mario Bros., Tetris und Nintendo World Cup.
- Erscheinungsjahr in Deutschland: 1991
- Originaler Verkaufspreis: 299 DM (ca. 153 Euro)
- Enthaltene Komponenten: NES-Konsole, vier Controller, Four Score-Adapter, 3-in-1-Spielmodul
Doch was macht das NES so wertvoll?
Dass das gefundene Exemplar der Kempenerin einen derart hohen Preis erzielte, liegt am historischen Stellenwert des Pakets. Nintendo brachte das „Super Set“ 1991 für damals 299 DM auf den deutschen Markt (GameDoctorPC / ntower). Kernstück war der beiliegende „Four Score“-Multitap, mit dem erstmals bis zu vier Spieler gleichzeitig an einer NES-Konsole antreten konnten – perfekt zugeschnitten auf das beiliegende Dreier-Modul mit Fußball-Kultspiel „Nintendo World Cup“. Während herkömmliche NES-Konsolen über 60 Millionen Mal verkauft wurden (Nintendo-Statistik via Wikipedia), blieben unberührte Super Sets mit intakter Folierung eine absolute Rarität.
Im Händlerraum der ZDF-Trödelshow entfachte die Konservierung des Bundles ein regelrechtes Wettbieten. Experte Sven Deutschmanek bezifferte den Schätzwert zuvor auf 400 bis 600 Euro, warnte aber zugleich davor, die Originaltüten zu beschädigen, da dies den Sammlerwert empfindlich schmälern würde (Express 2026). Nach einem Eröffnungsgebot von 400 Euro durch Liza Kielon sicherte sich schließlich Händler David Suppes den Zuschlag für 800 Euro. Marktbeobachter betonen, dass normale gebrauchte Einheiten auf Plattformen meist für 200 bis 350 Euro den Besitzer wechseln – 800 Euro markieren daher die absolute Spitze für ungespielte Sammlerstücke.
Zustandsfaktor „Deadstock“/OVP als Preistreiber
In der Sendung betonten Experte Sven Deutschmanek sowie Moderator Horst Lichter die Fragilität des Sammlerwerts: Das Öffnen oder Beschädigen von originalversiegelten Tüten und Styroporeinsätzen kann den Sammlerpreis schlagartig halbieren. Unberührte Lagerware („Deadstock“) bildet auf dem Retro-Markt eine extreme Ausnahme und ist ein entscheidender Preistreiber.
- ZDF-Expertenschätzung Sven Deutschmanek (2026): 400 – 600 Euro für ein fabrikneues Set
- Zuschlag Händler David Suppes (2026): 800 Euro nach Bietergefecht
Marktvergleich: Gebrauchtmarkt vs. fabrikneue Sammlerstücke
Der Preisunterschied zwischen funktionstüchtigen, losen NES-Konsolen und komplett verpackten Super Sets ist enorm:
- Durchschnittlicher Preis einer losen, funktionstüchtigen NES-Konsole (ohne OVP/Zubehör, 2024): 45 – 75 Euro
- Spannbreite gebrauchter Super Sets in OVP (2026): 200 – 350 Euro
- Verkaufspreis des Super Sets bei Bares für Rares (2026): 800 Euro
Auf Plattformen wie eBay oder Kleinanzeigen werden gebrauchte NES-Konsolen häufig für 45 bis 75 Euro angeboten, während unbeschädigte Komplettsets mit Originalverpackung ein Vielfaches dessen erzielen. Der Zustand ist im Videospiel-Segment nachweislich der mit Abstand stärkste Preistreiber.
Risiken und Nebenbedingungen beim Handel mit Retro-Konsolen
Alterungsbedingte Wertminderung
Plastik- und Elektronikbauteile, die über 30 Jahre in Dachböden mit extremen Temperaturschwankungen lagern, neigen zu sprödem Plastik, vergilbten Gehäusen oder auslaufenden Kondensatoren. Ungetestete Funde erreichen daher selten den Bestzustand eines TV-Exemplars.
Gebühren- und Betrugsrisiken bei Online-Auktionen
Der Verkauf über Plattformen wie eBay birgt zusätzliche Kosten: Plattformgebühren, Zahlungsrisiken und mögliche Rückgabestreitigkeiten wegen unklarer Zustandsangaben. Ein Vor-Ort-Verkauf, wie er bei Bares für Rares stattfand, eliminiert viele dieser Risiken.
Statistiken und Fakten im Überblick
- Weltweit verkaufte NES-Einheiten (2019): 61,91 Millionen Konsolen (Quelle: S1)
- UVP des NES Super Sets bei Markteinführung in Deutschland (1991): 299 DM (Quelle: S2)
- Zuschlagspreis bei Bares für Rares (2026): 800 Euro (Quelle: S3)
- Einstiegspreis lose NES-Konsole (ohne OVP/Zubehör, 2024): 45 – 70 Euro (Quelle: S4)
Fazit
Der Verkauf des originalverpackten NES Super Sets für 800 Euro bei Bares für Rares verdeutlicht, wie stark der Zustand einer Verpackung den Sammlerwert beeinflussen kann. Während lose, gebrauchte Konsolen zu moderaten Preisen gehandelt werden, erzeugen unbeschädigte „Deadstock“-Sets in Originalverpackung ein völlig anderes Marktsegment, das Preise weit über den üblichen Gebrauchtwert hinaus generiert. Sammler sollten daher besonders auf die Unversehrtheit von Karton, Folie und Zubehör achten, um das volle Wertpotenzial auszuschöpfen. Gleichzeitig zeigen die Risiken von Alterung und Online-Transaktionen, dass ein persönlicher Verkauf – wie in der ZDF-Show demonstriert – nicht nur höhere Sicherheit, sondern auch die Möglichkeit eines Spitzenpreises bietet.