LEGO hat 2026 das offizielle Pokémon-Sortiment in zwei klar abgegrenzte Produktlinien aufgeteilt: hochpreisige, rein statische Display-Sets für erwachsene Sammler und ein kinderfreundliches SMART-Play-System, das interaktive Duelle verspricht. Diese Trennung erzeugt für Käufer, insbesondere für Eltern und eingefleischte Fans, erhebliche Unklarheiten – von versteckten Hardware-Kosten bis hin zu Einschränkungen in Beweglichkeit und Spielspaß. Der folgende Ratgeber erklärt, welche Sets für welche Zielgruppe geeignet sind, welche Zusatzkosten beim SMART-Play-System anfallen und wie das Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Produkte zu bewerten ist.
System-Trennung: 18+-Sammlermodelle vs. SMART-Play-Spielreihe
Im Februar 2026 startete LEGO mit einer Reihe von reinen Ausstellungsstücken, die ausschließlich für erwachsene Sammler gedacht sind. Das bekannteste Beispiel ist das Kanto-Trio (Set-Nummer 72153) mit Bisaflor, Glurak und Turtok. Es enthält 6.838 Teile und wird mit einer unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) von 649,99 € angeboten – ein Preis, der nahezu ausschließlich für die massive Bodenplatte und die statische Diorama-Konstruktion gezahlt wird.
Im August 2026 ergänzte LEGO das Portfolio um zwölf neue SMART-Play-Sets für Kinder ab 6 bzw. 8 Jahren. Diese Sets setzen auf bildschirmfreies, sensorbasiertes Spielen. Ohne die notwendige SMART-Brick-Hardware bleiben die meisten dieser Sets jedoch reine Plastik-Figuren.
Aufteilung der neuen SMART-Play-Sets
- Gesamtzahl neuer SMART-Play-Sets zum Launch: 12 (2026)
- All-in-One-Starter-Sets mit beiliegender SMART-Brick-Hardware: 2 (Set 72164 – Trainingshaus mit Pikachu; Set 72167 – Glurak vs. Blitza)
- Alle anderen SMART-Play-Sets (z. B. Mew, Mewtu, Knakrack) enthalten nur passive SMART-Tags und benötigen einen bereits erworbenen SMART-Brick, um zu funktionieren.
SMART-Brick-Einstiegsdilemma: „All-in-One“ vs. „Kompatibel“
Der SMART-Brick ist ein wiederaufladbarer Lithium-Ion-Akku-Baustein mit integrierter Sensorik. Pro Vollladung liefert er etwa 45 Minuten Spielzeit. Nur die beiden All-in-One-Sets (72164 und 72167) enthalten die notwendige Hardware – einmal ein Brick, im zweiten Set zwei Bricks – samt speziellem Ladegerät.
Alle anderen SMART-Play-Bausätze, etwa „Drohnensuche nach einem mysteriösen Mew“ oder „Nachtara und Knakrack“, sind lediglich „SMART Play kompatibel“. Ohne das Starter-Set bleiben diese Sets funktional wertlos, weil die integrierten SMART-Tags keine Töne, Lichter oder Bewegungsreaktionen auslösen können.
Wichtig vor dem Kauf: Die Sache mit dem SMART Brick
- Nur die Sets 72164 (1 Brick) und 72167 (2 Bricks) enthalten den aktiven SMART Brick.
- Alle anderen SMART-Play-Sets benötigen mindestens einen Brick im Wert von ca. 60 € (Pikachu-Starter) oder 120 € (Glurak-Showdown) für Sound- und Lichtfunktionen.
- Der Brick hat eine Akkulaufzeit von rund 45 Minuten pro Ladung.
- Ohne Brick bleiben die Sets reine Plastik-Figuren ohne Interaktion.
Preis-Leistungs-Verhältnis der wichtigsten Sets
Nachfolgend die wichtigsten Kennzahlen der beiden Produktlinien, zusammengestellt aus offiziellen Quellen (StoneWars, Brickmerge, Smyths Toys, Steinehelden, LEGO Group).
| Set-Nummer | Name | Teile | UVP (Euro) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| 72153 | Bisaflor, Glurak & Turtok | 6 838 | 649,99 | Reines 18+-Display-Set, keine Interaktivität |
| 72152 | Pikachu & Pokéball | 2 050 | 199,99 | 18+-Modell, nicht kompatibel mit Minifiguren |
| 72167 | Glurak vs. Blitza Showdown | 751 | 119,99 | All-in-One mit 2 SMART Bricks |
| 72164 | Trainingshaus mit Pikachu | – | 57,99 | All-in-One mit 1 SMART Brick |
| 72154 | Sammler-Pokéball mit Minifiguren | 2 386 | 259,99 | Großer Pokéball, enthält Trainer-Minifiguren |
Versteckte Folgekosten und Design-Einschränkungen
Aus den gesammelten Daten ergeben sich zwei zentrale Kritikpunkte, die beim Kaufentscheid zu berücksichtigen sind:
- Hardware-Lock-in: Ohne ein Basisset mit SMART Brick (mindestens 59,99 € für das Pikachu-Starter-Set oder 119,99 € für das Glurak-Showdown-Set) bleiben die meisten SMART-Play-Sets stumm. Der Kauf einzelner, günstiger Sets wie „Drohnensuche nach Mew“ (ca. 38 €) führt zu Fehlkäufen, weil die Interaktions-Features nicht funktionieren.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Der im Bauch der Pokémon untergebrachte SMART-Brick nimmt Raum ein, der sonst für Gelenke genutzt werden könnte. Kritiker bemängeln daher die starre Haltung von Pokémon wie Blitza oder Nachtara – ein direkter Resultat des technischen Designs.
Lizenzwechsel von MEGA zu LEGO – Einfluss auf die Baustein-Architektur
Vor 2026 hielt Mattel (Mega Construx) die weltweite Lizenz für Pokémon-Klemmbausteine. Der Wechsel zu LEGO bringt einen grundlegend anderen Systemansatz: Statt spezieller Gussformen setzt LEGO auf ein standardisiertes System mit integrierter Sensorik. Das erklärt, warum Proportionen und Gelenke bei den LEGO-Modellen von früheren Mega-Reihen abweichen.
Praktische Kaufempfehlungen
Basierend auf den vorhandenen Fakten lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten:
- Sammler, die reine Vitrine-Pieces suchen: Die 18+-Sets (z. B. 72153 Bisaflor/Glurak/Turtok) bieten massive Teilezahlen und hochwertige Diorama-Bodenplatten – dafür jedoch keine Interaktivität.
- Eltern, die interaktive Spielmomente wünschen: Investieren Sie in eines der beiden All-in-One-Starter-Sets (72164 oder 72167). Damit erhalten Sie die notwendige SMART-Brick-Hardware und können alle kompatiblen SMART-Play-Sets (bis zu 12 weitere) nutzen.
- Preisbewusste Käufer: Vermeiden Sie einzelne kompatible Sets ohne Brick, da sie schnell zu zusätzlichen Ausgaben für das Starter-Set führen. Überlegen Sie, ob das teurere Display-Set (z. B. 72153) oder ein komplettes SMART-Play-Starter-Paket besser zu Ihrem Budget passt.
Fazit
LEGO hat das offizielle Pokémon-Portfolio klar in zwei Produktlinien aufgeteilt: hochpreisige 18+-Display-Modelle, die ausschließlich als Sammlerstücke gedacht sind, und ein kinderfreundliches SMART-Play-System, das jedoch stark von der Verfügbarkeit des SMART-Bricks abhängt. Ohne die All-in-One-Starter-Sets bleiben die meisten SMART-Play-Bausätze funktional unbrauchbar, was zu versteckten Zusatzkosten und Enttäuschungen führen kann. Gleichzeitig erzwingen die baulichen Vorgaben für den SMART-Brick Kompromisse bei Beweglichkeit und Design. Käufer sollten deshalb genau prüfen, ob sie ein reines Ausstellungsobjekt oder ein interaktives Spielerlebnis suchen, und ihr Budget entsprechend auf die jeweiligen Hardware-Erfordernisse abstimmen.